Bäume braucht das Land – und Bensheim auch

BfB will Baumschutzsatzung überarbeiten und an die Klimakrise anpassen

Bensheim. Noch vor rund 20 Jahren wurde in Bensheim gerne mit dem Wohnen in einer Stadt mit besonders vielen Sonnenstunden geworben. Was früher nach Sommer, Lebensqualität und Leichtigkeit klang, hat heute eine andere Bedeutung bekommen: Sonnenschein bedeutet im Jahr 2026 immer häufiger auch „wieder ein Tag ohne Regen“.

Die Bürgerinnen und Bürger für Bensheim (BfB) nehmen diese Entwicklung zum Anlass, die Bensheimer Baumschutzsatzung grundlegend zu überprüfen und eine Überarbeitung anzustoßen. Einen wichtigen fachlichen Impuls dazu gab Annette Hennemann, Dipl.-Ingenieurin der Landespflege. Sie macht deutlich, dass Menschen, Tiere und Pflanzen zunehmend unter Hitze, Trockenheit und extremen Wetterlagen leiden.

Gerade die Stadt heize sich besonders stark auf, Menschen, die in der Stadtmitte wohnen, seien den Belastungen besonders ausgesetzt. Dort, wo viele Flächen versiegelt sind, wo wenig Schatten vorhanden ist und wo sich Wärme zwischen Gebäuden, Straßen und Plätzen staut, werde der Sommer schnell zur gesundheitlichen und alltäglichen Herausforderung.

Die Antwort darauf ist aus Sicht der BfB klar: Bensheim braucht mehr wirksames Grün und vor allem einen besseren Schutz bestehender Bäume. „Wir brauchen dringend Schatten, Verdunstung und kühle Orte, um wieder durchatmen zu können. Wir brauchen Bäume, Bäume und nochmals Bäume“, erklärt Annette Hennemann.

Bäume sind nicht nur ein schöner Bestandteil des Stadtbildes, sondern eine notwendige Infrastruktur für die Stadt der Zukunft. Sie spenden Schatten, binden Staub und CO₂, produzieren Sauerstoff, speichern Wasser, verdunsten Feuchtigkeit und kühlen dadurch ihre Umgebung spürbar. Gerade in Hitzesommern leisten große Bäume damit etwas, was technische oder gestalterische Ersatzlösungen nicht annähernd erreichen.

„Kein Sonnensegel, kein künstlicher Wassersprühnebel und kein noch so großes Gehölz in künstlichen Pflanzkästen kann die Dimension der Leistung eines Baumes erreichen“, betont Annette Hennemann. Diese Feststellung bringt aus Sicht der BfB den Kern der Debatte auf den Punkt: Wer über Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und Gesundheit in der Stadt spricht, muss über Bäume sprechen.

„Bäume sind einer der besten Schutzfaktoren gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen“, erklärt BfB-Fraktionsvorsitzender Stefan Beckmann. „Sie sind keine Dekoration, sondern ein entscheidender Bestandteil einer klimaangepassten Stadtentwicklung. Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden und extremer Wetterereignisse müssen wir prüfen, ob unsere aktuelle Baumschutzsatzung noch ausreichend wirksam ist.“

Nach Auffassung der BfB reicht es nicht aus, immer wieder neue Bäume zu pflanzen. Das sei wichtig, aber gerade in der Stadt werde es zunehmend schwieriger, junge Bäume dauerhaft groß und widerstandsfähig zu bekommen. Hitze, Trockenheit, verdichtete Böden, enge Pflanzräume, Leitungen im Untergrund und Nutzungskonflikte erschweren das Anwachsen. Umso wichtiger sei es, die vorhandenen, großen und klimawirksamen Bäume konsequent zu erhalten.

Der Schutz bestehender Bäume und eine verlässliche Nachpflanzung bei notwendigen Fällungen seien daher zentrale Aufgaben der Stadtentwicklung der Zukunft – auch in Bensheim.

Die bestehende Bensheimer Baumschutzsatzung ist grundsätzlich ein wichtiges Instrument. Sie ist aber in die Jahre gekommen und muss auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Aus Sicht der BfB geht es dabei nicht nur um juristische Formulierungen, sondern um die praktische Frage, ob am Ende tatsächlich mehr Bäume erhalten bleiben, Ersatzpflanzungen erfolgen und Ausgleichszahlungen sichtbar in neues Grün investiert werden.

Die BfB hat deshalb bereits die Fraktionen und Wählergemeinschaften in Bensheim angeschrieben und um Unterstützung für eine Weiterentwicklung der Baumschutzsatzung geworben. Dabei geht es der BfB nicht um ein fertiges Endergebnis, sondern um den gemeinsamen Einstieg in eine sachliche Beratung auf Grundlage eines konkreten Vorschlags. Geprüft werden sollen unter anderem der Schutzumfang, Ersatzpflanzungen, die Verwendung von Ausgleichszahlungen und der Umgang mit Ausnahmen.

Ein besonderer Punkt ist aus Sicht der BfB die Frage, welche Bäume geschützt werden. Künftig sollten mehr Bäume in den Schutz einbezogen werden – ausdrücklich auch Weiden, Pappeln und Nadelbäume. Entscheidend dürfe nicht allein sein, ob eine Baumart in alten Kategorien als besonders schützenswert gilt. Entscheidend müsse auch sein, welche Funktion ein Baum konkret erfüllt: Schatten, Kühlung, Lebensraum, Wasserverdunstung, Staubbindung und Beitrag zum Stadtklima.

„Jeder Baum zählt“, betont BfB-Stadtverordneter Franz Apfel. „Wenn ein gesunder Baum gefällt wird, verliert die Stadt nicht nur Grün, sondern auch Schatten, Kühlung und Lebensqualität. Deshalb muss bei jeder Fällung klar sein, ob sie wirklich notwendig ist und wie verlässlich Ersatz geschaffen wird.“

Die BfB verweist auch auf die europäische Entwicklung. Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur setzt bereits europaweit ein Zeichen und fordert von Kommunen, die Baumkronenbedeckung in den Städten bis 2030 zu erhalten und danach kontinuierlich zu vergrößern. Für die BfB zeigt dies, dass Baumschutz längst nicht mehr nur eine lokale Geschmacksfrage ist, sondern Teil einer umfassenden Klimaanpassungspolitik.

Gerade in einer Stadt wie Bensheim, die weiter wächst und sich baulich entwickelt, müsse der Schutz von Grünstrukturen frühzeitig mitgedacht werden. Innenentwicklung, Wohnungsbau und neue Infrastruktur seien wichtig. Sie dürften aber nicht dazu führen, dass alte Bäume, gewachsene Grünstrukturen und kühlende Flächen immer weiter verschwinden. Stadtentwicklung müsse künftig stärker die Frage beantworten, wie Bensheim auch bei großer Hitze lebenswert bleibt.

Aus Sicht der BfB betrifft das besonders die Innenstadt, dicht bebaute Wohnquartiere, Schulwege, Spielplätze, Bushaltestellen, Parkplätze, Plätze und Straßenräume. Dort entscheiden Schatten, Bäume und Grün oft darüber, ob Menschen sich gerne aufhalten, Wege zu Fuß zurücklegen oder öffentliche Räume im Sommer überhaupt nutzen können.

„Baumschutz ist auch eine soziale Frage“, so Beckmann. „Nicht jeder Mensch hat einen eigenen Garten oder einen kühlen Rückzugsort. Gerade deshalb müssen öffentliche Räume so gestaltet werden, dass sie auch an heißen Tagen nutzbar bleiben. Große Bäume sind dafür unverzichtbar.“

Die BfB möchte die Überarbeitung der Baumschutzsatzung ausdrücklich nicht als parteipolitisches Einzelprojekt verstanden wissen. Vielmehr freue man sich auf den Austausch und die Beratung mit den anderen Fraktionen und Wählergemeinschaften. Gerade nach vielen Tagen mit Temperaturen um oder nahe 40 Grad müsse deutlich sein, dass der Schutz von Bäumen alle Menschen in Bensheim betreffe.

Eine verbesserte Baumschutzsatzung könne nicht alle Probleme lösen. Sie könne aber ein wichtiger Baustein sein, damit Bensheim auf Hitze, Trockenheit und extreme Wetterereignisse besser vorbereitet wird. Dazu gehöre, bestehende Bäume ernsthaft zu schützen, Ersatzpflanzungen verlässlich zu regeln und Ausgleichszahlungen tatsächlich für ökologische Verbesserungen und neue Bäume einzusetzen.

Bensheim habe bereits eine Baumschutzsatzung. Das sei gut. Aber sie sei in die Jahre gekommen. Wenn die Bestandsbäume der Stadt besser geschützt werden sollen, müsse die Satzung jetzt verbessert werden.

Die BfB hat hierfür einen konkreten Änderungsvorschlag erarbeitet und den anderen Fraktionen zur Beratung vorgelegt. Dabei geht es um mehr Schutz, mehr Verbindlichkeit und eine bessere praktische Umsetzung. Das Ziel sei eine Stadt, in der Bäume nicht erst dann Thema werden, wenn sie gefällt werden sollen, sondern als wichtiger Teil von Gesundheit, Klimaschutz, Klimaanpassung und Lebensqualität verstanden werden.

Bäume braucht das Land – und Bensheim auch. Die BfB unterstützt diesen Appell und will daraus konkrete kommunalpolitische Arbeit machen.