Frau
Stadtverordnetenvorsteherin,
meine
Damen und Herren, sehr geehrte Gäste
Bereits 2014 hat die SPD diesen Antrag in
die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Damals wurde er mit 30
Nein-Stimmen und 10 Ja –Stimmen abgelehnt.
Die Wiederholung kam im Dezember 2016.
Diesmal wurde der Magistrat aufgefordert einen Kostenvoranschlag für diesen
Anschluss zu erstellen. Das Ergebnis: 400 000 Euro.
Der Beschluss wurde mit 29 Nein-Stimmen , 9
ja-Stimmen und 3 Enthaltungen abgelehnt.
Bevor man hartnäckig immer wieder das
gleiche fordert, sollte man sich die Argumente, die damals gegen dieses Projekt
aufgeführt wurden, genau ansehen. Gelten
sie noch jetzt?
(Protokoll STVV 3.4.2014)
- Der Rückbau der Straße an der Hartbrücke war eine wesentliche
Forderung der ONB gewesen – als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Westtangente
- Die Kosten für die geforderte Anbindung werden nicht über
GVFG-Mittel gefördert. Die Kosten verbleiben komplett bei der Stadt.
- Die Kostenschätzung lag lt. Herrn Sachwitz bei ca. 400 000
€.
- Aber es sind noch weitere Kosten damit verbunden. Laut
Aussage von Herrn Sachwitz müsste die
Straße vom ADAC zur Schwanheimerstraße saniert werden, da diese den
zusätzlichen Verkehr nicht standhält.
- Wenn eine Abzweigung auf der Westtangente gebaut wird, muss
Tempo 70 verringert werden auf Tempo 50
Die Zahlen stammen von 2014. Jeder kann
sich vorstellen, dass es diese Preise längst nicht mehr aktuell sind.
Es freut mich natürlich, dass sie ökologische Gründe ansprechen. Es wurde auch mit dem Argument „Klimaneutrale Stadt“ geworben. Aber wie weit ist Ökologie mit dem Bau von Straßen vereinbar?
- 1 to Beton verursacht ca. 100 kg CO2 = über 800 km
Autofahrt.
- Nur um eine 10×10 m große Fläche mit 10 cm Stärke zu
betonieren, werden Treibhausgase frei gesetzt, die 10 000 km Autofahrt
entsprechen.
- Jeder kann sich ausrechnen, wie viel Treibhausgase die ganze
Anbindung freisetzt. Mit klimaneutraler Stadt hat das nichts zu tun.
- Und im Vergleich dazu: Ein ausgewachsener Baum braucht 10
Jahre um das CO2 von 1 to Beton wieder in Sauerstoff umzuwandeln.
Von Ökologie ist dies alles weit entfernt.
Wir wissen natürlich, dass diese Anbindung nicht nur für das Gewerbegebiet erfolgen soll. Es ist ein weiterer Baustein zur Vermarktung der Flächen zwischen Weststadt, Auerbach, Schwanheim und Fehlheim.
Ich habe
manchmal das Gefühl, dass bei der SPD der Bauwahn ausgebrochen ist. Jede
Freifläche soll mit Wohnbau versiegelt werden. Ich erinnere an das Bauprojekt
Südstadt und dem dazugehörigen Straßenbau, der im Verkehrsentwicklungsplan gefordert
wird.
Sicherlich haben sie recht, dass sich nun die
politischen Verhältnisse im Stadtparlament geändert haben – und die Chancen,
diesen Antrag durchzubekommen sind natürlich damit gestiegen.
Aber es
bleibt die Frage:
Wollen die Bensheimer Bürger- und Bürgerinnen diese Art von Entwicklung
für ihre Stadt? Wollen Sie, dass noch mehr Verkehr in die Felder verlagert
wird? Das unsere landwirtschaftlichen Flächen weiter reduziert, versiegelt und
zerstückelt werden?
Wo bleiben
die Freiflächen für Sport, zur Naherholung – für das Erleben von Natur? für die Gesundheit?
Spätestens bei der nächsten Kommunalwahl
wird diese Frage beantwortet werden.
Die BfB war bereits gegen die Westtangente
gewesen und wir sind auch gegen diese Anbindung.
Wir sind gegen die weitere Zerstückelung
unserer landwirtschaftlichen Flächen, gegen den Verlust unserer Freizeit- und
Erholungslandschaft.
Wir setzen uns ein für ein lebens- und
liebenswertes Bensheim – für die Menschen und für die Natur!
Und auch finanziell ist dieses Projekt
lediglich ein Schritt, unsere Stadt in unverantwortlicher Weise hoch – sehr
hoch zu verschulden.